Die Geschichte unserer Schule

Seit vielen Jahren wache ich über einen besonderen Ort am Fuße des Donnersbergs. Ich bin kein Mensch. Niemand sieht mich auf den Fluren, niemand hört meine Schritte. Und doch bin ich immer da – morgens, wenn die ersten Busse ankommen, mittags auf dem Schulhof und manchmal auch abends, wenn in einem leeren Klassenraum noch ein vergessenes Licht brennt. Ich kenne diese Schule seit ihren ersten kleinen Anfängen.
Im Schuljahr 1970/1971 war sie noch klein. Gerade einmal 21 Kinder lernten hier – eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Damals ahnte niemand, wie sehr dieser Ort einmal wachsen würde. Doch schon früh spürte ich etwas Besonderes: Hier ging es nie nur um Unterricht. Hier ging es um Menschen. Um Kinder, die jemanden brauchten, der an sie glaubt.

Mit den Jahren veränderte sich die Schule immer weiter. Neue Förderschwerpunkte kamen hinzu. Im Schuljahr 1999/2000 entstanden die Förderschulformen mit den Schwerpunkten motorische und ganzheitliche Entwicklung. Plötzlich rollten Rollstühle über die Flure, unterstützte Kommunikation hielt Einzug, und überall entstanden neue Ideen, wie jedes Kind seinen Platz finden konnte. 2001 erhielt die Schule ihren Namen: Schule am Donnersberg. Von da an gehörten alle zusammen. Die Unterrichtszeiten wurden vereinheitlicht, die Pausen gemeinsam erlebt.
 

Die Schule begann zu einem kleinen eigenen Kosmos zu werden – voller Leben, voller Unterschiede und voller Geschichten. Ich erinnere mich an die vielen Veränderungen: an die Einführung der Ganztagsschule, an die ersten Qualitätsprogramme zur Förderung der Lesekompetenz, an die aufregenden Gespräche über neue Unterrichtsideen und an den Berufsfördertag, bei dem Schülerinnen und Schüler erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln konnten.
Es kamen Kooperationen mit Berufsschulen hinzu, neue Möglichkeiten zum Erwerb des Hauptschulabschlusses und später sogar eine Werkstufe für den Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung. Immer wieder wurde gebaut, erweitert und umgedacht. Aus den einst 11 Lehrkräften wurde ein großes Kollegium mit heute 86 Lehrkräften. Viele von ihnen arbeiten längst nicht mehr nur innerhalb der Schule, sondern unterstützen auch umliegende Schwerpunktschulen bei der inklusiven Förderung. Und die Schule selbst? Auch sie blieb nie stehen. Heute lernen hier etwa 180 Schülerinnen und Schüler.


Doch die Schule sieht inzwischen ganz anders aus als früher. Aus dem Hauptgebäude wurde expandiert. Zwei Klassenräume befinden sich im Nachbargebäude der Integrierte Gesamtschule Rockenhausen. Zwei Klassen lernen im alten Container, der ursprünglich zur ebenfalls benachbarten Realschule plus gehörte. Zwei weitere Klassen sind inzwischen in einen brandneuen Container eingezogen – modern, hell und voller neuer Möglichkeiten. Aber egal, wo gelernt wird: Der Geist dieser Schule ist überall derselbe.

 
Besonders schwer wurde meine Arbeit in den Jahren der Corona-Pandemie. Noch heute erinnere ich mich an die ungewohnte Stille auf den Fluren. Die Kinder trugen Masken. Auf dem Boden klebten Wegweiser, damit niemand sich zu nahe kam. In jedem Raum standen die C02-Ampeln und wachten mit ihren Farben über frische Luft. Fenster wurden selbst im Winter regelmäßig geöffnet. Hände wurden desinfiziert, Abstände eingehalten und fast täglich geteste
t. Manche Kinder hatten Angst. Manche verstanden die Welt plötzlich nicht mehr. Und viele Erwachsene arbeiteten bis an ihre Grenzen, damit Schule trotzdem möglich blieb. Doch gerade in dieser Zeit zeigte sich, was diese Schule wirklich ausmacht.
 
Ich sah Lehrkräfte, die trotz Müdigkeit lachten. Ich sah Kinder, die anderen halfen, obwohl sie selbst Sorgen hatten. Ich sah Eltern, die kämpften, unterstützten und nie aufgaben. Und ich begriff wieder, warum ich diesen Ort so gern beschütze.
 

Denn diese Schule besteht nicht aus Mauern oder Containern. Nicht aus Fluren, Tafeln oder Stundenplänen. Sie besteht aus Menschen. Aus Menschen, die jeden Tag versuchen, anderen Mut zu machen. Aus Kindern, die lernen, über sich hinauszuwachsen. Und aus Erwachsenen, die daran glauben, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden kann.
 
Darum werde ich weiter hier wachen – über die Klassenzimmer im Nachbargebäude, über den alten Container, über den neuen Container und über all die kleinen und großen Geschichten, die jeden Tag an der Schule am Donnersberg entstehen.